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Das Regional-Magazin Frauke Petry Exklusiv-Interview

Herausgegeben von in Exklusiv ·
Näher am Volk sieht Frauke Petry die Chance bürgerlicher Klein-Parteien
„Politik muss sich endlich zu allererst an den Bürgern orientieren und spürbar sein... “
 
Dr. Martin Gollner, Obmann der Bürgerlisten OÖ (BLOÖ), lud vergangenes Wochenende zum 5. Landestreffen der Bürgerlisten Oberösterreich ins Hotel Ploberger nach Wels. Es wurde dank der Anwesenheit zahlreicher engagierter Teilnehmer zum Erfolg. Als Stargast und Motivationsfaktor war Frauke Petry aus Deutschland angereist.
 
Dr. Martin Gollner zeigte sich mit der Veranstaltung zufrieden: „Magister Johannes Brandl von der Zukunftsakademie SPES erklärte in seinem Vortrag, wie Ziele erfolgreich zu entwickeln sind. Eine interessante Präsentation, die zukünftige Vorhaben beflügeln sollte. Auch unser „Stargast“ Frauke Petry ging in ihrem Vortrag eigentlich auf Zielentwicklungen von Bürgerlisten ein, allerdings beruhend auf ihrem enormen Erfahrungsschatz und wie sie die Zukunft gestalten würde. Frau Petry sprach über die Umsetzungskompetenz und wie sie als damals starke Einheit einer aufstrebenden AfD die Entwicklung an vorderster Front bis zum Aufstieg in den deutschen Bundestag mitgestaltete. „So hoch hinaus kann es gehen, wenn man von einer starken Basis aus agiert, aber wichtiger ist es dann, was an Repräsentanten nachkommt. Und wie interpretieren die Neuen das Erreichte und ihre Ziele künftig? Das kann oft auch entgleisen“, warnt Petry.
 
Frauke Petry stellte in diesem Zusammenhang klar, dass sie aus ähnlichen Gründen aus der AfD ausgetreten sei, weil die Parteiarbeit nach dem Aufstieg teils von einer neuen Generation beseelt wurde, deren Ziele und Umsetzungen Petry nicht mehr mit ihren Werten auf einen Nenner bringen konnte.
 
Frauke Petry empfindet sich derzeit als „politikabstinent“.
Martin Gollner: „Daher war interessant zu hören, wie Frau Petry den Weg von kleinen Bürgerlisten heute gestalten würde.“ Und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Im Vortrag bei der BLOÖ schilderte sie überzeugend, mit welchen Vorgangsweisen eine kleine bürgerliche Partei den etablierten Großen zusetzen kann. Und: Sie stellte sich dem Regional-Magazin im Interview.
 
RM: Frau Petry, haben vergleichsweise kleine Bürgerlisten überhaupt Chancen gegen etablierte Großparteien? Wenn ja, wie sind diese Chancen zu nützen?
Frauke Petry: „Das hat man in Österreich anhand des Abschneidens der MFG gesehen. Die hat nahe am Wähler agiert, ihn angesprochen. Und sie ist verstanden worden. Die MFG hat genau die Zeit für sich genützt, in dem Fall Corona. Also ein klares Ja, Bürgerlisten haben dann Chancen, wenn sie vorab den Wähler einnehmen und mit einem sichtbar klaren Fokus ihre Ziele leicht verständlich kommunizieren. Dagegen sind Kolleginnen und Kollegen der etablierten Parteien häufig in ihren Strukturen verhaftet. Diesen Vorteil, der auch ein Vorsprung sein kann, gilt es zu nützen. Mit anderen Worten hat eine Bürgerliste viel mehr Potential, wenn sie sich die Bürgernähe zum Modell macht, und - was ich mir wünschen würde - dabei irgendwann auch auf Landes- und Bundesebene bleibt.“
 
RM: Nahe am Wähler, an der Wählerin zu sein, bedeutet auch, hier mehr Erwartungen zu schüren...
Frauke Petry: „Das ist klar. Diesen Erwartungen kann jedoch mit lokalem Verständnis und den hier gewohnten Ausdrucks- bzw. Dialektformen leichter entsprochen werden. Mit lokalen bis regionalen Programmpunkten kann auch viel treffender über den Tellerrand hinaus geblickt werden, weil wir Menschen regional begrenzte Wesen sind. Wir können uns mit dem viel eher identifizieren, was näher bei uns und rundherum passiert, dementsprechend kommuniziert und letztlich hier auch entschieden wird - so etwas tragen wir als Wähler:in gerne mit.
 
RM: Ein gutes Abschneiden bei der Wahl ist ja schön. Schwieriger stelle ich es mir vor, das Level zu halten, wenn die Latte höher liegt.
Frauke Petry: Nicht zu unterschätzen ist, dass die Bürgerliste auch in Folge von verlässlichen Bürgerlisten-Politkern vertreten wird. Die Leute müssen mit Bedacht ausgewählt werden, zu den gemeinsamen Zielen stehen und stets unaufgeregt, mit Hausverstand kommunizieren. Es geht bei vielen kleinen Parteien nach ersten Erfolgen einiges daneben, weil die Entscheidungsträger plötzlich Ziele in anderen Sphären - entwickeln, die schwer zu verstehen sind.
 
RM: Was wäre also politische Zukunft, ginge es nach Frau Petry?  
Frauke Petry: „Der erste Schritt wäre für uns alle, auch für den Bundeskanzler, zu begreifen, dass wir Menschen regional begrenzt sind und künftig daran gedacht wird, dass Politik eigentlich viel mehr regional oder lokal beginnen und stattfinden müsste und weniger auf der großen politischen Bühne von oben nach unten. Ich plädiere für viel mehr Dezentralisierung, auf mehr Verlagerung auf lokale Ebenen. Die Dinge würden dort entschieden, wo sie entstehen - auch finanziell. Bürgerlisten sollten sich daher vorerst darauf spezialisieren, die lokale Ebene anzusprechen und diese zu überzeugen - und darauf aufbauen.
 
RM: Wie soll das funktionieren?
Frauke Petry: Man muss unbedingt die Zeichen der Zeit beachten. Mit einem schmalen, leicht verständlichen Programm, mit maximal drei glaubwürdigen Themen.  Mit mehr Programm wollen sich die Wähler nicht beschäftigen. Die Menschen haben auf vielen anderen Ebenen viel zu viel zu tun.“
 
RM: Das Parteipersonal, die Kandidatenauswahl ist wichtig. Gutes Benehmen, Glaubwürdigkeit, Eloquenz, Bildung, lokal vernetzt - worauf kommt es an?
Frauke Petry: „Neben dem glaubwürdigen Personal an der Spitze braucht es auch im Hintergrund fähige gestandene Leute. Es streben ja oft auch Quertreiber, Unzufriedene, Störenfriede in eine neue politische Organisation. Gute Leute aus der Region sind natürlich auch dabei, aber von all diesen Schattierungen verliert erfahrungsgemäß die junge Partei, wenn es eng wird, immer die guten Leute zuerst.“

Foto: © RM/Rieger



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